Ken Doctor über die Zukunft des deutschen Journalismus

Ken Doctor, Autor von Newsonomics und Newsonomics.com, Ex-Knight Ridder– und heutiger Outsell-Mitarbeiter, beschäftigt sich mit der Zukunft der Medien in Deutschland. Für das Nieman Journalism Lab hat er die Newsonomics der deutschen Presse in ihrem – aus seiner Sicht – entscheidenden Jahr der unumkehrbaren Veränderungen beschrieben. Den Text dazu – 2013 – gibt es hier, den Ausblick, wie Deutschland im Jahr 2014 durch die Medienkrise kommt, hier.

2013

Es geht zunächst um den Springer/Funke-Verkauf, den Doctor in seiner Schockwirkung für die Branche mit dem Graham/Bezos-Deal der “Washington Post” vergleicht. Die üblichen Verdächtigen geben ihre Einschätzung zur Lage zum Besten, der Niedergang von FTD, FR und Westfälischer Rundschau wird notiert. Doctor ist auf der Suche nach transatlantisch gültigen Lehren.

German publishers, of course, didn’t expect this world. These institutions backed by family pride — most newspapers are still held by long-established, mainly privately held, family-directed institutions — have long disproportionately invested in their newsrooms.

Doctor seziert die Besonderheiten des deutschen Marktes, weist auf die hohen deutschen Newsroom-Kosten hin, erklärt die Mechanik  hinter dem Springer/Funke-Geschäft und zeigt die Ähnlichkeiten zwischen Springer und Schibsted auf. Selbst der Silicon-Valley-Tourismus bleibt nicht unbemerkt.

Ken Doctor benennt das Problem, dass deutschsprachige Medien eben nur weniger als ein Zehntel potentieller Nutzer haben als englischsprachige. Und dennoch, so die Schlussfolgerung, könne die Welt etwas lernen vom deutschen Markt und insbesondere dem Springer/Funke-Geschäft: Dass es nämlich auf das Wie des Verkaufs ankommt. Funke kauft zwar Springer viele Titel ab, doch Vermarktung und Vertrieb bleiben mehrheitlich bei Springer.

2014

Nächstes Jahr geht es nach Doctors Meinung vor allem um die Frage, was nach dem Anzeigenzeitalter kommt. Er greift den gerade bekannt gewordenen Plan der Mediengruppe Madsack auf, eine Zentralredaktion für die internationale und nationale Berichterstattung ihrer entscheidenden Blätter in Hannover aufzubauen. Aufmerksamkeit erregen auch die Pläne einiger Verlage, werbefreie Premiumangebote anzubieten. Doctor zitiert Thomas Schultz-Homberg von der FAZ  mit Preisen zwischen 80 und 90 Euro monatlich für eine werbefreie, gedruckte FAZ.

Germany’s privacy protections offer a unique challenge to metered paywalls. Blocking cookies is far easier in Germany — more like a default — than it is elsewhere. Consequently, 30 to 50 percent of news readers’ reading can’t be easily metered by contemporary paywall systems.

Erstaunt notiert Doctor die Paywall-Pläne der FAZ, die 2014 kommt und bei Preisen ab etwa 30 Euro (Print) bis über 80 Euro (Print und Digital) liegen wird. Im Unterschied zu anderen Verlagen trauten sich die Frankfurter, ihre Eigenproduktionen zahlenden Kunden vorzubehalten.

It’s tough to say which Press — U.S. or German — is under greater stress at this point. What’s clear is that two of largest free presses in the world are desperately looking for solutions.

Gemeinsam sei den Märkten die alternde Bevölkerung, die fallenden Werbeumsätze, das Leiden der Regionalzeitungen, der Mangel an Printlesern und die nach wie vor vergleichsweise hohen Renditen. Der größte Unterschied sei, dass die meisten deutschen Zeitungen nach wie vor in Familienhand seien.

Problematisch sei die Haltung vieler Deutscher, neue Technologien und deren Nutzer als das Problem anzusehen. Und es fehle sowohl an Unternehmergeist als auch an gemeinschaftlich finanziertem Journalismus. Ken Doctor scheint die Hoffnung zu fehlen, dass sich an diesen Eigenschaften etwas ändern würde.

Wow. It's Quiet Here...

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