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Tückisch verallgemeinerte Anekdoten

Beim Columbia Journalism Review, genauer dessen “Observatory” für den Wissenschaftsjournalismus nimmt Curtis Brainard einen Text aus der Washington Post auseinander. Post-Autor John Donnelly hatte seine eigene tiefe Beinvenenthrombose (TVT) zum Anlass genommen, über das vermeintlich häufige “Economy Class Syndrome” zu schreiben.

Donnelly reiht Anekdote an Anekdote, schließt vom einzelnen Patienten nach dem Langstreckenflug auf die Masse aller Flugreisenden. Er ignoriert dabei aber die verfügbaren Zahlen zu den gar nicht so arg häufigen Beinvenenthrombosen nach Flügen, die vor allem nicht davon abzuhängen scheinen, ob man in der Economy oder der First Class sitzt.

CJR-Autor Brainard hat die Hintergründe zur Beinvenenthrombose recherchiert. Das gleiche, stellt er fest, hätte Donnelly ebenfalls tun können. Dann wäre seine Geschichte vermutlich nicht weniger unterhaltsam zu lesen gewesen, dafür hätten die Fakten gestimmt.

Dieses Internet-Dings.

Christian Jakubetz, Ulrike Langer und Peter Schumacher nehmen “Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus” von Wolf Schneider und Paul-Josef Raue auseinander. Vom merkwürdigen Titel über die merkwürdige Einordnung des sicher gefährlichen Online-Journalismus, die allgemeine Warnung vor dem bösen Internet-Dings bis zu traurig verqueren Vorstellungen dessen, was im Internet-Dings vor sich geht. Sehr lesenswert bei allen drei Rezensenten. Langer und Jakubetz sind mitschuld am erschreckend wissensstarken “Universalcode“.

Nachtrag 6.2.2012, 18.15 Uhr: Stefan Niggemeier bring einige nicht ganz unberechtigte Kritikpunkte an den oben genannten Kritiken an. Unter dem schönen Titel “Wolf Schneider hat ‘Jehova’ gesagt”. Lesenswert sind auch die Kommentare zum Eintrag, in denen Christian Jakubetz und Ulrike Langer Stellung nehmen.