Kompliziertes verständlich erklärt.

Dennis André Ballwieser ist Redakteur bei SPIEGEL ONLINE in Hamburg. Bis April 2012 schrieb und produzierte er für verschiedene Print-, Online- und Hörfunkmedien. Seine Texte gab es z. B. in der Süddeutschen Zeitung, in der Apotheken Umschau und auf Apotheken-Umschau.de. Seine Hörfunkberichte konnten Sie z. B. im Bayerischen Rundfunk hören.

Nach einer Redakteurs-Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München und einem Medizinstudium an der LMU München arbeitete Dennis Ballwieser bis April 2012 als Anästhesist am Klinikum der Universität München. Seine Schwerpunkte sind Wissenschaft, Medizin, Gesundheit und Ethik.

Tückisch verallgemeinerte Anekdoten

Beim Columbia Journalism Review, genauer dessen ”Observatory” für den Wissenschaftsjournalismus nimmt Curtis Brainard einen Text aus der Washington Post auseinander. Post-Autor John Donnelly hatte seine eigene tiefe Beinvenenthrombose (TVT) zum Anlass genommen, über das vermeintlich häufige “Economy Class Syndrome” zu schreiben.

Donnelly reiht Anekdote an Anekdote, schließt vom einzelnen Patienten nach dem Langstreckenflug auf die Masse aller Flugreisenden. Er ignoriert dabei aber die verfügbaren Zahlen zu den gar nicht so arg häufigen Beinvenenthrombosen nach Flügen, die vor allem nicht davon abzuhängen scheinen, ob man in der Economy oder der First Class sitzt.

CJR-Autor Brainard hat die Hintergründe zur Beinvenenthrombose recherchiert. Das gleiche, stellt er fest, hätte Donnelly ebenfalls tun können. Dann wäre seine Geschichte vermutlich nicht weniger unterhaltsam zu lesen gewesen, dafür hätten die Fakten gestimmt.

Dieses Internet-Dings.

Christian Jakubetz, Ulrike Langer und Peter Schumacher nehmen “Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus” von Wolf Schneider und Paul-Josef Raue auseinander. Vom merkwürdigen Titel über die merkwürdige Einordnung des sicher gefährlichen Online-Journalismus, die allgemeine Warnung vor dem bösen Internet-Dings bis zu traurig verqueren Vorstellungen dessen, was im Internet-Dings vor sich geht. Sehr lesenswert bei allen drei Rezensenten. Langer und Jakubetz sind mitschuld am erschreckend wissensstarken “Universalcode“.

Nachtrag 6.2.2012, 18.15 Uhr: Stefan Niggemeier bring einige nicht ganz unberechtigte Kritikpunkte an den oben genannten Kritiken an. Unter dem schönen Titel “Wolf Schneider hat ‘Jehova’ gesagt”. Lesenswert sind auch die Kommentare zum Eintrag, in denen Christian Jakubetz und Ulrike Langer Stellung nehmen.

Universalcode

UniversalcodeNoch ein Projekt, das aus gutem Grund auf Papier und im Netz parallel existiert. Universalcode – Journalismus im digitalen Zeitalter ist das Eierlegende-Wollmilchsau-Lehrbuch zum digitalen Journalismus. Zwanzig Autoren unter der Leitung von Christian Jakubetz, Ulrike Langer und Ralf Hohlfeld kümmern sich um verschieden Aspekte des wie auch immer netzigen Journalismus, geben handwerkliche Betriebsanleitungen, machen sich Gedanken zum gewandelten Berufsbild und stellen relevante Ausbildungsstätten vor. Bewusst ausgespart wird alles, was das grundlegende Handwerk des Journalismus angeht, das sich auch im Netz nicht geändert hat, also z. B. die Textgattungen oder das Schlagzeilenmachen.

Verlegt wird das Buch bei euryclia, einem Kleinverleger, der die Subskription zur Verwirklichung von Buchprojekten anbietet. Erst wenn eine kritische Masse an Interessenten sich verpflichtet hat, das noch nicht fertige Werk auch zu kaufen, wird das Buch tatsächlich gedruckt. Dann ist es aber überall verfügbar, wo man mit ISBN umgehen kann.

Mediactive

Mediactive.comEin Buch, ein eBook, eine Website, ein Projekt. Dan Gillmor, US-Journalist-Unternehmer-Dozent beschäftigt sich erneut mit der Zukunft des Journalismus. Seine These ist, dass möglichst viele Menschen mediactive sein sollten. Nicht jeder müsse Journalist sein, doch je mehr Bürger wüssten, was Journalismus ausmache, desto besser werde die Zukunft des Journalismus sein. Heute produziere schließlich nahezu jeder Mensch mit Internetanschluss Medien, von denen ein guter Teil durchaus den Ansprüchen an Journalismus gerecht werde.

Gillmor schildert die Journalismus ausmachenden Prinzipien, führt technische Voraussetzungen ein, wirft einen Blick auf die (US-amerikanische) Medienlandschaft. Vor allem aber betont er wieder und wieder die einfachen, aber notwendigen handwerklichen Voraussetzungen für glaubwürdigen Journalismus. Schließlich skizziert er, wie der Journalismus durch Unternehmerlust gerettet werden könnte.

Das gedruckte Buch (bei Lulu.com unter Creative-Commons-Lizenz verlegt) ist nur der Ausgangspunkt eines weitergehenden Projektes. Das eBook ist gespickt mit Links, Buch wie eBook sollen regelmäßig aktualisiert werden. Auf der Website mediactive.com ist das Buch komplett hinterlegt, aufgeteilt in bildschirmgerechte Häppchen und mit der deutlichen Aufforderung zu kommentieren. Dort finden sich neben den Prinzipien (für Konsumenten und für Medienschaffende) auch die Quellen, die ebenfalls regelmäßig aktualisiert werden sollen.

Journalismus 2020

Policy Brief Journalismus 2020

Perspektiven für den Journalismus in der digitalen Moderne wollen wir bieten. Im Policy Brief genannten Destillat aus einem Jahr Projektarbeit stellen wir unsere Ideen für die Zukunft des unabhängigen und ressourcenstarken Journalismus vor. Wir, das sind die Associates der Berliner Stiftung Neue Verantwortung, eines Think Tank, der uns 2010/2011 für ein Projekt zur “Zukunft des Journalismus” eingeladen hat.

Mitgemacht und mitgeschrieben haben unter der Leitung von Leonard Novy (Institut für die Wissenschaft vom Menschen, Wien) Sven Böll (SPIEGEL), Leif Kramp (Universität Bremen), Stefan Leifert (ZDF), Florian Meyer-Hawranek (freier Journalist), Björn Schmidt (Axel Springer Verlag), Dominic Schwickert (IFOK) und Karsten Wenzlaff (Institut für Kommunikation in sozialen Medien, Berlin). Und ich.

Dass eine demokratische Öffentlichkeit Journalismus braucht, bedeutet noch nicht automatisch, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen guten Journalismus ermöglichen. Vor allem der Printbereich hat in den vergangenen Jahren unter Finanzierungsproblemen gelitten. Im Policy Brief veruschen wir zu ergründen, mit welchen Ideen auch in Zukunft Journalismus möglich sein wird.

Das 12-seitige PDF-Dokument gibt’s bei der Stiftung Neue Verantwortung zum Download.